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Glücksfaktor Gartenarbeit

Unter der wärmenden Frühlingssonne einen Nachmittag lang im Garten werkeln, umgraben und hacken, da und dort verdorrte Blüten entfernen, Sträucher zurückschneiden und Pflanzen in grössere Töpfe versetzen, kann zwar nach langen Winterwochen ohne viel Bewegung durchaus Rückenschmerzen verursachen. Aber die pure Freude, wieder säen, pflanzen und pflegen zu können, hebt solch kleine Störfaktoren bei weitem auf. Denn während die Hände die noch winterfeuchte Erde spüren, wird der Kopf frei. Gartenarbeit kann Stress abbauen, Trauer lindern und vor allem Ungeduldigen Geduld lernen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Bereits in der Mythologien der Antike wird von der heilenden Kraft des Gärtnerns berichtet. „Willst du ein Leben lang glücklich sein, so schaffe dir einen Garten“, heisst eine chinesische Weisheit. „Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, so lange man einen Garten hat “, wussten schon die alten Perser. Wobei dieses Paradies durchaus auch Schatten haben kann, das wissen all Gartenbesitzer. Wenn die ersten Frühlingsblumen vom Schnee zugedeckt und zusammengedrückt werden, wenn die Schnecken mal wieder schneller waren oder der Frost die Aprikosenblüten braun werden liess, dann macht das Gartenglück kurz mal Pause.


Neuer Lebensmut

Doch auch solche Rückschläge und Misserfolge können therapeutische Wirkung haben, sie zeigen auf, dass das Leben trotz allem weitergeht. Denn anders als vom Mensch gemachte Fehler, die oft wirklich irreversibel sind, erholt sich die Natur in den meisten Fällen wieder ganz von selbst. Narzissen die der Schnee flachgelegt hat, stehen beim nächsten warmen Sonnenstrahl wieder auf, die von Schnecken heimgesuchten Pflanzen treiben von neuem aus und der Aprikosenbaum hat immer noch einen Vorrat an Blüten. Diese urtümliche Kraft kann neuen Lebensmut geben. Deshalb gibt es seit einigen Jahren in Kliniken, Altersheimen und Reha-Einrichtungen die Therapiegärten. Hier bekommen Menschen durch die Beschäftigung mit Pflanzen wieder neue Lebenskraft und neue Hoffnung. Schmerzpatienten, die in der Therapie und im Alltag nicht mehr in der Lage sind, auch leichte Gegenstände zu heben, schleppen plötzlich kleine Giesskannen, weil „ihre“ Pflanzen zu verwelken drohen. Depressive erleben, wie unter ihren Händen etwas gedeiht, zum blühen kommt. Alte Menschen bücken sich zu den Beeten, um eine Blühte genauer zu betrachten, obwohl sie steif und unbeweglich sind, und Demente atmen den Geruch eines Gewürzkrautes ein- und beginnen plötzlich aus ihrer Jugend zu erzählen.



Geduld lernen

Gartenarbeit kann heilen, Schmerzen vergessen machen und Erinnerungen wieder aufleben lassen. Und Gartenarbeit macht bescheiden. Die grossen Macher, die vifen Organisatorinnen, die alles im Leben im Griff und verplant haben, lernen bei der Gartenarbeit schnell, dass die Pflanzen und die Natur an sich eigene Gesetzmässigkeiten unterliegen. Schöne Pläne, detaillierte Pflanzentabellen und ein durchdachtes Pflanzenmanagement werden durch eine einzige Frostnacht, ein Hagelgewitter oder schlicht durch schlechtes Wetter zu Makulatur. Da steht man dann, besieht sich den Schaden- und fängt von vorne an. „Geduld bringt Rosen“, sagt der Volksmund. Und gärtnern macht glücklich- vielleicht nicht immer, aber im Verlaufe eines Sommers immer mehr.


Bis zum nächsten mal.


Simon Mathis


Trais Fluors Gartenbau, Kirchweg 27, 8196 Wil/ZH, www.traisfluors-gartenbau.ch, info@traisfluors-gartenbau.ch